Museum Till Eulenspiegel

Till Eulenspiegel Stein
Eulenspiegel
Museum

Sie ist eine Kleinod unter den Wehrkirchen Oberfrankens. Ihre spätgotischen Gemälde an der Chorwand wurden erst 1947/48 wieder freigelegt. Auf den übrigen Wänden und Decken ist die "Bibel der Armen" aus den Jahren 1648/49 zu sehen.

Wehrkiche Presseck  Wehrkiche Presseck

Die Eulenspiegelinschrift in der evangelischen Kirche zu Presseck

Die Einzigartigkeit einer kleinen Inschrift in einer kleinen Kirche wurde in der christlichen Kunstgeschichte bisher nur behutsam erahnt, nie jedoch klargestellt oder begründet. Während anfänglich christliche Kunst Anleihen aus dem sie umgebenden Kulturkreis nahm, berief sie sich später immer mehr auf das vorhandene Schrifttum von AT + NT, der Kirchenväter, Heiligenlegenden und Liturgie.

Hieraus entwickelte sich die Vorstellung, das ein Zitat aus der christlichen Tradition für den Wahrheitsgehalt einer Aussage bürgt. Musterbeispiel für dieses aus dem Judentum übernommene Schriftdenken ist die Darstellung der Verkündigung. Obwohl Maria die einschlägige Stelle aus dem AT schwarz auf weiß vor sich liegen hat, begreift sie zunächst gar nichts, ist überrascht, daß dieser Text just auf sie zutreffen sollte. Der Engel bestätigt jedoch nur das, was schon lange klar ist. Damit ist sie die Heilige par exellence für alle, die sich schwer tun, die christlichen Wunder zu verstehen. Durch ihre Fürbitte wird der Glaube gestärkt, zumal wenn ihm ein Zitat aus der christlichen Tradition zugrunde liegt.

Nun ist diese Inschrift aber nicht der Hinweis auf ein Zitat oder die aus dem Mund heraus kommenden Worte eines Stifters, sondern der Text ist dargestellt auf einer Tafel. Dadurch hat der Betrachter den Eindruck, der Maler hat nur wiedergegeben, was er innerhalb der christlichen Tradition schon vorfand. Durch diesen Kunstgriff ist damit jeder Zweifel ausgeschlossen am Stoßgebet, weil die Anrufung schon feste Form vor dem Maler angenommen hatte. Man muss nicht gleich an Moses Gesetzestafeln denken, um Parallelen zu ziehen; es genügt schon, den dargestellten Staffeleirahmen mit dem Lesepult aus der Verkündigungsszene zu vergleichen. Somit handelt es sich bei dem Text nicht um schön umrahmte Worte, sondern der Rahmen zeigt an woher die in Latein gefasste Schrift stammt: Aus einem Gebetsbuch, aus der Liturgie. Den heiligen Christophorus vor Augen, die Anrufung auf Latein leise vor sich hinmurmelnd ist als geistige Opfergabe anzusehen, um eine innere Ruhe zu erhalten.

Damit sprengt dieses christliche Kunstwerk den Rahmen der damaligen Glaubensvorstellungen. Hier geht es also nicht mehr darum, dem Auftraggeber nach dessen Vorstellungen den Eintritt ins Paradies zu vereinfachen (Musterbeispiel mit seinem Reliquienfimmel ist Kardinal Albrecht), sondern dem Geschmack zu schmeicheln und Freude durch die Betrachtung des Kunstwerks zu erzeugen.

Damit entzieht sich die Kunst mehr und mehr dem Einfluss einer ebenfalls sich wandelnden christlichen Glaubensvorstellung und wird Ausdruck des wirklichen Lebensgefühls.

Traumhaftes Beispiel hierfür ist die in 95 Historien nach dem Schema der Heiligenlegenden aufgebaute Vita des Till Eulenspiegel. Auftraggeber des Christopherus in der Kirche zu Presseck, Christoph von Wildenstein, und Verfasser des Eulenspiegels, Adelphus Mulig, bleiben also formal im Rahmen des damaligen katholischen Glaubensgutes. Aber gerade weil sie dieses peinlich genau beachten und ihre I-Tüpfelchen auch noch innerhalb der Tradition setzen, greifen sie über sich hinaus und läuten die Zeit des Humanismus ein. Nicht mehr die überlieferte Tradition, sondern der Mensch ist Orientierungspunkt der Kunst.

Dies ist die Gemeinsamkeit des unterhaltenden, kritisierenden, lächelnden Medizinbuchs Eulenspiegel und des Trinkspruchgebets als christlich legitimierter Inschrift auf einer Staffelei im Inneren einer Kirche. So zählt dieses Eulenspiegelschreiben als Beweis, dass die Kirche in Presseck als erste evangelische, katholische Kirche in Deutschland anzusehen ist.

Schon früh erahnt als Kunstjuwel, aber erst durch Eulenspiegel wieder verständlich geworden.